Wir denken bei Yoga wahrscheinlich nicht sofort an unser Gesicht. Dabei bewegt sich auch dort den ganzen Tag über einiges. Du runzelst die Stirn, wenn du dich konzentrierst, spannst deinen Kiefer an, wenn du gestresst bist, und ziehst vielleicht unbewusst die Augenbrauen hoch, während du vor einem Bildschirm sitzt.
Face Yoga lenkt auf einfache Weise die Aufmerksamkeit genau dorthin. Mit sanften Bewegungen, Massagen und bewusster Entspannung gibst du deinem Gesicht, Kiefer und Nacken die gleiche Aufmerksamkeit, die du beim Yoga dem Rest deines Körpers schenkst.
Dabei muss es nicht darum gehen, dein Gesicht zu verändern. Es kann genauso gut darum gehen, wahrzunehmen, wo du Spannung hältst, und zu lernen, diese wieder loszulassen.
Was ist Face Yoga?
Face Yoga ist ein Sammelbegriff für Übungen und Techniken, bei denen du die Muskeln deines Gesichts, Kiefers und teilweise auch deines Nackens bewusst bewegst. Dazu gehören kontrollierte Bewegungen, sanfte Massagen, Dehnungen und Entspannung.
Im Gegensatz zu einer klassischen Yogapraxis sind die Bewegungen dabei meist sehr klein. Du musst dafür keine Yogamatte ausrollen und schon ein paar Minuten können ausreichen.
Face Yoga wird online regelmäßig als natürliche Methode beworben, um Falten zu reduzieren oder das Gesicht sichtbar zu liften. Hier ist etwas mehr Differenzierung sinnvoll. Es gibt nur begrenzte Forschung zu den möglichen Effekten von Gesichtsübungen und die bisherigen Erkenntnisse reichen nicht aus, um weitreichende kosmetische Versprechen zu unterstützen.
Das macht die Praxis nicht weniger interessant. Du kannst Face Yoga auch als eine Form von Mindful Movement für dein Gesicht betrachten.
Warum halten wir so viel Spannung in unserem Gesicht?
Dein Gesicht reagiert ständig auf das, was du tust und fühlst. Beim konzentrierten Arbeiten kann sich deine Stirn anspannen. Wenn du viel sprichst, Sport machst oder lange vor einem Bildschirm sitzt, kann auch dein Kiefer mehr Spannung halten.
Manche Menschen bemerken diese Spannung erst, wenn sie bewusst langsamer werden.
Genau hier kann Face Yoga interessant sein. Nicht, weil dein Gesicht „korrigiert“ werden muss, sondern weil du lernst wahrzunehmen, wie es sich gerade anfühlt.
Schon ein kurzer Check kann ausreichen. Lass deinen Kiefer locker, entspanne deine Zunge und spüre, ob deine Augenbrauen eigentlich immer noch nach oben gezogen sind.
Face Yoga als Ergänzung deiner Yogapraxis
Was Face Yoga innerhalb von Yoga interessant macht, ist weniger die Technik selbst als die Art und Weise, wie du deinen Körper wahrnimmst.
Beim Yoga richten wir unsere Aufmerksamkeit auf unsere Atmung, Haltung, Muskeln und Bewegungen. Das Gesicht wird dabei leicht vergessen. Dabei finden auch dort ständig viele subtile Bewegungen statt.
Du kannst deshalb ein paar Minuten Face Yoga am Anfang oder Ende deiner Praxis einbauen. Beginne zum Beispiel mit ein paar ruhigen Atemzügen und mache anschließend sanfte kreisende Bewegungen über deinen Kiefer und deine Schläfen.
Danach kannst du deine Aufmerksamkeit auf deinen Nacken und deine Schultern lenken. Diese Bereiche arbeiten häufig zusammen. Wenn dein Kiefer angespannt ist, können sich auch Nacken und Schultern manchmal angespannt anfühlen.
Es muss keine umfangreiche Routine sein. Gerade ein paar bewusste Minuten passen gut zu der Art und Weise, wie Yoga uns lehrt, den Körper wahrzunehmen.
Eine einfache Face-Yoga-Routine
Möchtest du es selbst ausprobieren? Entspanne zunächst bewusst dein Gesicht und deinen Kiefer. Atme ruhig weiter und lass deine Schultern sinken.
Probiere anschließend diese einfache Sequenz:
1. Kiefer entspannen
Lass deinen Mund leicht geöffnet und bewege deinen Kiefer ein paar Mal ganz sanft von einer Seite zur anderen. Halte die Bewegung klein und erzwinge nichts.
2. Wangen aktivieren
Lächle sanft, ohne deine Augen zusammenzukneifen. Halte das Lächeln für ein paar Atemzüge und lass anschließend wieder vollständig los.
3. Stirn entspannen
Lege deine Fingerspitzen oberhalb deiner Augenbrauen auf und streiche sanft nach außen in Richtung Schläfen. Übe dabei nur leichten Druck aus.
4. Nacken mit einbeziehen
Blicke langsam über eine Schulter und anschließend über die andere. Führe die Bewegung ruhig aus und bleibe dabei innerhalb eines angenehmen Bewegungsradius.
5. Einfach nichts tun
Schließe deine Augen und lass dein Gesicht vollständig entspannen. Nimm wahr, wie sich dein Kiefer, deine Stirn und deine Schultern anfühlen.
Das Wichtigste beim Face Yoga ist nicht, wie viele Übungen du machst, sondern wie du sie ausführst. Ruhig, ohne zu erzwingen und mit Aufmerksamkeit für das, was dein Körper dir signalisiert.
Face Yoga muss keine Beauty-Routine sein
Es ist völlig in Ordnung, deine Haut zu pflegen oder dich damit zu beschäftigen, wie du aussiehst. Aber Face Yoga muss kein weiterer Schritt in einer endlosen Routine sein, in der dein Gesicht ständig optimiert werden soll.
Dein Gesicht muss nicht glatter, straffer oder jünger sein, damit du gut für dich sorgst.
Vielleicht ist genau das eine angenehmere Art, Face Yoga zu betrachten. Als ein paar Minuten, in denen du aufhörst, etwas korrigieren zu wollen, und beginnst, zu spüren.
Eine kleine Pause vom Bildschirm. Deinen Kiefer entspannen. Deinen Atem verlangsamen. Dein Gesicht einfach so sein lassen, wie es gerade ist.
Das ist vielleicht keine spektakuläre Transformation. Aber es kann ein wertvoller Moment der Aufmerksamkeit sein.
Und letztendlich liegt genau hier die Verbindung zwischen Face Yoga und Yoga. Nicht im Streben nach einem perfekten Körper, sondern darin, den Körper, den du bereits hast, bewusster wahrzunehmen.